Was vom Tage übrig blieb

Sweat Shop Blues

Eine ominöse Drohung

erhielt ich heute, als ich kurzfristig
meinen Termin beim Sweat-Shop absagen musste. Denn gebuchte Termine
sollte man eigentlich bis spätestens 12:00 Uhr absagen und ich habe
dies erst um 14:30 Uhr getan. Aber da habe ich auch erst erfahren, dass
ich mein Programm für den Nachmittag umschmeißen musste. Jetzt muss ich
mich mal bei Gelegenheit erkundigen, was dies mit den Eintragungen auf
sich hat. Ob's da eine Höchstgrenze gibt und was passiert, wenn man die
erreicht hat? Gibt's dann einen Abzug vom Honorar oder bekommt man
keine Termine mehr? Auf allen Formularen und Verträgen wird immer
darauf hingewiesen, dass man dort als Selbstständiger arbeitet, de
facto ist es natürlich ein reines Abhängigkeitsverhältnis. Das
Unternehmen bestimmt, ob ich arbeiten kann oder nicht, hat bei
Fehlverhalten entsprechende Sanktionen in der Hand, eine
Interessenvertretung der Call-Center-Agents gibt es nicht, da jeder auf
eigene Rechnung arbeitet. Und die einzige Freiheit, die man als
Beschäftigter hat ist, dass man, wenn man keine Lust mehr auf den Job
hat, einfach zu Hause bleiben kann. Für nächste Woche habe ich jetzt
keine Termine gebucht. Zum einen, weil ich gestern eh nicht
telefonieren konnte und zum andern, weil meine Eltern zu Besuch kommen
und ich da den Stadtführer machen muss.




Eine neue Studie

wurde gestern gestartet und das hieß
dann erst einmal wieder Briefing. Der Fragebogen ist relativ kurz,
zumindest im Vergleich zu dem vorherigen, könnte aber meines Erachtens
durchaus noch einmal überarbeitet werden, denn manche Fragen sind nicht
besonders eindeutig formuliert und stoßen manch einen Interviewpartner
in heillose Verwirrung. Dann gilt es Marketingdenke in Normalodenke zu
übertragen. Zunächst gab es dann mal wieder einen Systemabsturz, wo
nichts mehr ging, so dass ich insgesamt wohl nur knapp 90 Minuten
telefoniert  habe. Und in der Zeit habe ich doch glatt vier
Interviews gemacht. Da konnte ich mich dann zufrieden aufs Rad
schwingen und getrost nach Hause fahren.






Für meine Verhältnisse

hatte ich heute einen ziemlich guten
Interviewdurchschnitt. In knapp dreieinhalb Stunden waren es vier oder
fünf, ich weiß  es gar nicht mehr so genau, Interviews, die ich
heute gemacht habe. Den um eine Stunde vorverlegte Arbeitsbeginn
empfand ich als sehr angenehm. In der ersten Stunde, von 15:00 bis
16:00 Uhr war es noch angenehm ruhig, nur zwei, drei Leute waren außer
mir noch anwesend und erst ab 16:00 Uhr wurde es dann schlagartig voll
und laut. Die Leute, die ich interviewt habe, waren auch alle gut
drauf, verstanden sofort um was es ging und die Interviews waren immer
ratzfatz fertig. So sollte es jeden Tag sein. Na, mal sehn, wie meine
morgige Bilanz ausfällt.






Ein durchwachsener Nachmittag

war es mal wieder heute im Call-Center.
Zunächst kurz hintereinander zwei Interviewabbrüche, weil den Leuten
die ganze Sache zu lange dauerte und sie auch nicht bereit waren, das
Interview zu einem anderen Zeitpunkt fortzusetzen. Nun ja, musste ich
halt so akzeptieren. Dann, wenige Minuten später, der erste Höhepunkt
des Nachmittags. Ich hatte eine junge Frau am anderen Ende der Leitung,
die auch bereit war, an der Befragung teilzunehmen. Und kaum hatte ich
begonnen, war es auch schon wieder zu Ende. Warum? Nun, die Dame
verdächtigte mich, ich würde mir einen Scherz mit ihr erlauben. Dazu
muss gesagt werden, dass die Eingangsfragen schon ziemlich dämlich
sind, es wird nachgefragt, ob man bestimmte Begriffe aus dem Bereich
Reisen und Verkehr schon einmal gehört oder gelesen hat. Und obwohl ich
all meinen Charme und all meine Überzeugungskraft in meine Stimme
gelegt habe, genützt hat es nichts und auch dieses Interview war dann
nach zwei Minuten zu Ende. Zum Schluss hatte ich dann noch ein
Interview mit einem Mann aus Bayern geführt, von dem ich, aufgrund
seiner langsamen Reaktion und nuscheligen Ausdrucksweise dachte er wäre
schon ziemlich alt, also 80 Jahre oder noch darüber. Umso erstaunter
war ich, als er mir dann sagte er wäre 47 Jahre alt. Ich wollte es erst
gar nicht glauben und habe sicherheitshalber noch einmal nachgefragt,
aber er blieb dabei. Auf dem Heinweg habe ich mich die ganze Zeit
gefragt, wie seine Stimme wohl klingen mag, wenn er tatsächlich 80
Jahre alt ist.






Pre-Test-Studie

Bevor eine Marktforschungsstudie
startet wird erst einmal eine sogenannte Pre-Test-Studie gemacht. Die
entspricht zwar in weiten Teilen der endgültigen Studie, aber aufgrund
der Ergebnisse der Testbefragung werden dann doch noch hier und da
Veränderungen vorgenommen. Und solch eine Pre-Test-Studie hatte ich
heute das Vergnügen abzufragen. Je nachdem was die Leute mir auf meine
Fragen antworteten, dauerte die Befragung unterschiedlich lange. Und
dann hatte ich eben einen dran, der zu meinen Eingangsfragen
verhältnismäßig viel wusste, was dann zur Folge hatte, dass sich zu
jeder "richtig" beantworteten Eingangsfrage eine beinahe undendliche
Kette von Folgefragen ergab. Er hat zwar zwischendurch ein wenig
rumgenölt, wann wir denn endlich fertig seien, doch mit der richtigen
Mischung aus Freundlichkeit und stringenter Interviewführung haben wir
es dann glücklich bis zum Ende geschafft. Das Ganze hat bestimmt weit
über 30 Minuten gedauert und das ist für mein Empfinden für ein
Interview, das kalt akquiriert wird, einfach zu lang. Mal sehn, wie die
endgültige Studie ausschaut, die voraussichtlich ab nächster Woche dann
telefoniert wird.






Kein erfolgreicher

Nachmittag und Abend war es heute im
Sweat Shop was meine Erfolgsquote beim Interviewen betraf. Drei Stunden
habe ich vor meinem Bildschirm gehockt und sage und schreibe ein
einziges vollständiges Interview durchgeführt. Ansonsten waren die paar
Interviews, die ich sonst noch hatte, immer nach ein paar Minuten
zuende, weil die Befragten mit ihrem Einkaufsverhalten nicht in das
Muster der Studie passten. Die überwiegende Zeit habe ich stupide meine
Telefonnummern gewählt, viermal klingeln lassen, aufgelegt und weiter
zum Nächsten. Und dabei immer auf die Uhr links oben geschaut, wo der
Minutenzeiger die Funktion des Stundenzeigers übernommen hatte.
Eigentlich wollte ich ja bis 20:00 Uhr arbeiten, aber nach drei Stunden
ohne Pause hatte ich dann keine Lust mehr und bin gegangen. Ein kleines
Erfolgserlebnis gab's dann doch noch zwischen durch. Zur Sicherung der
Qualitätsstandards werden unsere Interviews ab und an von den
Supervisors mitgehört. Heute hatte es mich mal wieder "erwischt". Aber
bis auf zwei, drei kleine Sachen wurde ich für mein sympathisches
Auftreten und meine ausgezeichnete Interviewführung gelobt. Nun ja, das
hat dann für eine Weile meine Stimmung ein wenig aufgehellt.




Sweat Shop Trouble

Nach drei Wochen heute zum ersten Mal
wieder im Call-Center. Wollte ursprünglich von 14:00 bis 18:00 Uhr
arbeiten, schließlich ist es dann aufgrund widriger Umstände 20:15 Uhr
geworden. Zu Beginn gab es erst einmal ein gut 90 Minuten dauerndes
Briefing zu der neuen Studie, die seit ein paar Wochen in Arbeit ist.
Zwei Werbefilmchen wurden gezeigt, wieso und weshalb weiß ich nicht.
Dann wurde mittels einer Power-Point-Präsentation der Sinn und Zweck
der Umfrage vorgestellt und am Ende dann das Wichtigste, der ellenlange
Fragebogen durchgegangen. Teilweise müssen einzelne Warengruppen bzw
Artikel aus einer 89 Seiten langen Liste abgefragt werden. Okay, da
gibt's dann Suchfunktionen, so dass sich der Zeitaufwand in Grenzen
hält, aber  den Leuten am Telefon zu verklickern, was man jetzt an
dieser Stelle des Interviews von ihnen will, gestaltete sich dann doch
manchmal etwas schwierig. Nun gut, dass war der erste Teil des
Arbeitsnachmittags und dann ging es los mit der Telefonierei. Meine
Erfolgsquote war mal wieder unter aller Sau und als ich grade dabei war
eine sehr nette und äußerst geduldige Frau aus Bayern zu interviewen,
stürzte auf einmal das gesamte System ab. Nichts ging mehr, weder vor,
noch zurück. Keiner wusste was los war, die gute Frau hat dann bestimmt
noch fünf Minuten mit mir am Telefon gewartet, bis sie schließlich
aufgelegt hat. Ich hätte das schon nach 30 Sekunden getan. Schließlich
erfuhren wir dann, dass eine Festplatte auf dem Server zerbrochen war.
Die Neueinrichtung der ganzen Angelegenheit hat dann schließlich zwei
Stunden gedauert, die wir aber, wenn ich es richtig verstanden habe,
bezahlt bekommen. Als es dann um 19:45 wieder weiter ging, habe ich
noch rasch ein Interview gemacht und dann war Schicht im Schacht. Knapp
sechs Stunden im Sweat Shop sind schließlich mehr als genug, finde.
Morgen werde ich mal meine erste Rechnung stellen, damit wieder ein
wenig Geld auf's Konto kommt.


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